Karate verstehen – Erscheinungs- und Trainingsformen
🇨🇭 Roland Zolliker
Es sind wieder einmal inspirierende Momente im legendären Kenseikan Karate-Do Thun «Tempel». Seit vielen Jahren einer der Kraftorte des schweizerischen Karate. Angesagt ist das Modul «Fortbildung Leiter Karate J+S Jugend SKF» mit dem Thema «Das neue J+S Manual Karate ist da!»
Thomas Hertig, 7. Dan, Kursleiter, Autor, ehemaliger J+S Verantwortlicher (Foto), führt die 37 Teilnehmenden durch eine Tour d’Horizon. Er erläutert den langen Weg der Lernbausteine von der Idee, zum Konzept, Drehbuch, Illustrationen, den Drehtagen/Fotoshooting bis zum Druck. Erwähnt das Engagement der weiteren Autoren Erik Golowin, Michelle Saner, Dragan Leiler, François Cuvit und die Begleitung durch Lena Göldi (Bundesamt für Sport, EM-Bronze Judo, mehrfache Schweizermeisterin, Olympionikin).
Er erklärt das Ausbildungsverständnis Karate welches als Wegweiser für die Leitertätigkeit gilt. Dann kommt er auf die Essenz, die Erscheinungsformen. Sie sind Bewegungs-, Verhaltens- und/oder Kampfmuster, die sich in konkreten Trainings- oder Wettkampfsituationen beobachten lassen.
Auszug J+S Manual, Seite 28:
Der Sinn des Trainings liegt eher im Tun und im Erleben als im Ergebnis – ein ganzheitliches Entdecken und Erfahren der körperlichen Möglichkeiten steht im Zentrum. Der Körper ist ein Netzwerk aus komplexen, dynamischen Beziehungen. Alle Handlungen beruhen auf Beziehungen mit der Umwelt. Daraus entstehen dynamische Aktivitäten wie wahrnehmen, entscheiden, denken, fühlen oder wollen. Sie zeigen Möglichkeiten des menschlichen Handelns auf, genauso wie abwehren, angreifen, gestalten oder rhythmisieren. Grafik: Zusammenspiel der im Karate wichtigen Aktivitäten.
Dann kommt am Nachmittag Bruno Trachsel. J+S Experte, SKA-Chef-Instruktor, 8. Dan. Der erste Schweizer der von der Swiss Karate Federation diesen hohen Dan-Grad erhielt. Es beginnt mit Aufwärmen, dann mit Techniken, einzeln und kombiniert, der Hüfte als Kraftgenerator, Bunkai. Trachsel beeindruckt durch seine Schnelligkeit, Dynamik, seinen Fokus auf das Ziel. Seine Selbstverteidigungseinheiten einfach, wirkungsvoll. Den Teilnehmenden wird bewusst – hier ist einer der ganz grossen Karatekas unserer Zeit am Werk. Seine Unterrichtsmethodik besteht aus kurzen, knappen Anweisungen, immer direkt und herzlich. Bodenständig. Tief verwurzelt mit dem traditionellen Holzboden, der auf einem geschichtsträchtigen Feld liegt, das bereits zu Kelten- und Römerzeiten als Kraftort galt. Am Schluss langanhaltender Applaus.

Der Kampfkunst-Tempel wurde 1998 offiziell eröffnet. Die Planungen begannen bereits 1997. Heute wird der «Tempel» von Bruno Trachsel und seiner Frau Ruth geführt.
Christa Lehmann, J+S Expertin, 4. Dan, unterrichtet den Teil „Bewegungs- und Grundformen mit Fokus Kinder“. Sie gibt viele Inputs wie in spielerischen Elementen alle koordinativen Fähigkeiten trainiert werden können. Bei den „Staffel-Wettbewerben“ sind alle voll motiviert dabei. Seit 2019 leitet sie das «Kuri Dojo» in Langenthal/Aarwangen/Lotzwil.
Im FTEM steht das J+S Karate im Bereich «Foundation»:
Dieter Achermann spricht das wichtige Thema „Störungen im Kindertraining“ an. Wie können Leitende besser damit umgehen und in schwierigen Situationen reagieren. Gerade bei Kindern mit ADHS sind Leiter gefordert. Karatelehrende sind keine Mediziner, Therapeuten können jedoch mit klaren Strukturen (beginnend mit Za-Rei), kurzen Erklärungen und gezielten Bewegungsformen Überforderungen minimieren.
Der Karate Baum visualisiert den Aufbau des Karate. Die fünf beobachtbaren Erscheinungsformen sind die Gemeinsamkeiten der Bereiche Kihon-Kata-Kumite und bilden die sichtbare Krone. Das Blätterdach umgibt die Bereiche des Karate, die als Äpfel – die Früchte des Baumes – darstellen. Der Baum steht auf dem wichtigen Nährboden, der durch die beiden Trainingsformen: sportartübergreifend (Bewegungs- und Spielgrundformen) – Giesskanne – und den sportartspezifischen- Dünger – «genährt» werden. Dies zusammen ist der Weg zu den Erscheinungsformen und damit zu den Bereichen «Kihon-Kata-Kumite». Die Wurzeln bestehen aus den entsprechenden Entwicklungsfaktoren, die den Baum stabil im Nährboden verankern.
J+S Kurse sind auch Begegnungs- und Austauschorte. Man siehe bekannte Leistungsträger des schweizerischen Karate, wie Tim Abel, Dieter Ackermann, Marcel Bachmann, Fabio Bartolacci, Ralph und Ramona Grabenstaetter, Anto Grgic, Ilija Letic, Daniel Lopez, Paolo Alberto Maltese, Sabine Riemenschneider, Cornelia Zimmermann und einige mehr.
Und da war noch einer, der vielen aus dem Herzen spricht. Nicht physisch anwesend, aber irgendwie schon immer da.







