Dienstag,14. Juli 2026
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Happy Birthday Swiss Karate Federation

🇨🇭 Roland Zolliker

Der lange Weg bis zum 16. Juni 1979 beginnt 1957 mit der Gründung des «Institut des Sports de Combat» in Sitten durch Bernard Cherix (6. Juli 2027 – 17. Dezember 2009). 1963 erfolgt die Aufnahme als autonome Sektion in den Schweizerischen Judoverband. 1970, mit 13 Dojos, die Geburt des Schweiz. Karate-Verbandes in Sion.

Der 1974 gegründete 1. Dachverband scheitert (Foto) 1977.

Der Schweizerische Landesverband für Sport (heute Swiss Olympic) reagiert und teilt mit, dass eine Aufnahme nur durch einen Zusammenschluss aller «schweizerischen» Verbände möglich sei.

Die Verantwortlichen «raufen» sich zusammen und so entsteht am 16. Juni 1979 die heutige Swiss Karate Federation mit 106 Dojos.

1986, 15. November, ist es so weit. Die angestrebte Aufnahme in den SLS wird Tatsache. Sieben Jahre lang «beobachtete» der SLS die SKF. Im vierten Anlauf gelingt die Anerkennung. Als Architekt der heutigen Struktur gilt Hans Giger.

Dieser Entwicklungsschritt war der Gang in die Normalität, ohne jeglichen Verlust der bisherigen inneren Stil-Substanz. Die Stile bleiben als unverzichtbares traditionell-historisches Fundament bestehen und garantieren die nachhaltige technische Förderung des Karate. Zudem ist es der Respekt für die grossen Lehrer des Karate wie Gichin Funakoshi (Shotokan, 1868 – 1957), Chojun Miyagi (Goju-Ryu, 1888 – 1953), Kenwa Mabuni (Shito-Ryu, 1893 – 1957), Hironori Ohtsuka (Wado-Ryu, 1892 – 1982).

Nebst dem Zusammenschluss aller bedeutenden nationalen Karate-Verbände war die internationale Anerkennung der WUKO (heute WKF) entscheidend. 1975 durch die AGFIS (heute SportAccord), 1985 durch das Internationale Olympische Komitee.

1987 (-1994) finden die ersten nationalen Trainerlehrgänge (Leitung: Arturo Hotz) im bernischen Goldiwil statt. Im Zentrum stehen die Bewegungslehre und das Lernen als persönlichkeitsformender Prozess.

1995 erfolgt, nach dreimaliger Zurückweisung, die Anerkennung als J+S Sportart. 1998/1999 werden die ersten Experten in Magglingen, im Jahr 2000 die ersten Leiter ausgebildet. Erster Fachleiter J+S wird Erik Golowin, gefolgt von Thomas Hertig. Heute Michelle Saner als J+S Verantwortliche.

Die SKF ist, bis heute, keine «Liebesheirat», sondern eine Zweckgemeinschaft. KI versteht darunter «eine Ehe, die nur noch auf wirtschaftlicher oder organisatorischer Basis geführt wird». Die 777-Regel kann einfach dagegen halten: Alle sieben Tage einen Abend zu zweit, alle sieben Wochen einen Wochenendausflug und alle sieben Monate einen Urlaub.

Die SKF übernimmt alle Aufgaben/Positionen, welche eine Sektion nicht wahrnehmen kann. So die Mitgliedschaft in WKF-EKF-Swiss Olympic.

Der grösste Nutzen der Swiss Olympic Anerkennung ist die finanzielle Förderung. Neben der Finanzierung sind für Trainer und Athleten die Förderinstrumente zentral.

Damit sorgen Swiss Olympic/Bund für gute Rahmenbedingungen im Nachwuchsleistungs- und Spitzensport. Während die meisten Sportler ein Leben lang Breitensport betreiben, durchlaufen nur wenige die Talent-, Elite- und Mastery-Phasen.

Diese Leistungen werden international von 20 Dojos (7.4%), beansprucht, die sich kontinuierlich im Spitzen- und Leistungssport engagieren. Im Bereich ambitionierter Breitensport (Swiss Karate League Serie) sind zusätzlich noch ca. 50 Dojos (19%) aktiv.

Die gesamte Infrastruktur der «Administration» SKF wird von den Dojos der fünf Sektionen SKU, SKR, SWKO, SKA und SSK finanziert.

Zeitraster (ausgehend 1963, bis)
63 Jahre sind eine lange Zeit, in der viel passiert ist. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Immer wieder gefordert eine ausgeprägte mentale Ausdauer. Den Fokus der angestrebten Anerkennung als Sportart nicht zu verlieren. Nach jeder Zurückweisung wieder von Neuem aufzustehen. Mit Disziplin und Beharrlichkeit.

07 Jahre – alter SKF
11 Jahre – 1. Dachverband
15 Jahre – Organisation 1. EM (Elite)
16 Jahre – 2. Dachverband
17 Jahre – erste nationale Trainerausbildung
23 Jahre – nationale Anerkennung / Organisation 2. EM (Nachwuchs, Frauen)
32 Jahre – J+S Anerkennung

48 Jahre – Organisation 3. EM (Elite)
49 Jahre – Karatelehrer mit eidg. Fachausweis
52 Jahre – Organisation 4. EM (Nachwuchs)
53 Jahre – Sportartenschulleiter mit eidg. Diplom
58 Jahre – Olympiateilnahme Elena Quirici

Struktur
Die Struktur der SKF ist bis heute historisch durch ihre Sektionen, Untersektionen, Stilgruppen, Dojos und vor allem durch die verschiedenen Stilrichtungen und ihren Varianten geprägt. Seit 47 Jahren hat sich dieses System bewährt. Es ist, typisch schweizerisch, analog von Bund-Kantonen-Bezirken-Gemeinden-Weilern.

Das Karate ist keine Ausnahme mit seinen Stilrichtungen. Auch andere, vom IOC anerkannten, Weltverbände haben verschiedene Ausprägungen.

Schwimmen (Freistil, Brust, Rücken, Schmetterling)
Kunstturnen (Boden, Sprung, Barren, Schwebebalken, Mehrkampf)
Tanzen (Standard-6, Lateinamerikanisch-5)
Fechten (Florett, Säbel, Degen)
Skisport (8 Hauptsportarten, die sich in 16 verschiedene Disziplinen unterteilen)
Leichtathletik (48 Wettbewerbe in den Hauptkategorien Laufen, Springen, Werfen/Stossen, Mehrkampf)

Mit anderen Worten: Es gibt keinen Weltverband für «Rückenschwimmen, Barren-Turnen, Tango/Rumba, Degen, Slalom, Weitsprung». Alle Disziplinen sind in einem Dachverband vereinigt.

Präsidenten
Signer Paul J. (-1972)
Parisod Norbert (-1976)
Wechsler Hanspeter (-1984)
Panchard Philippe (-1987)
Zolliker Roland (-2022)
Golowin Erik (aktuell)

Globalität
Der grosse Sprung in der Entwicklung der SKF, zu einem global ausgerichteten Verband, erfolgt 2011 mit der Einführung der K1 Premier League, 2017 mit der K1 Series A und 2018 mit der K1 Youth League. Durchgeführte Europameisterschaften in der Schweiz:

1978, Genève, Elite
1986, Sion, Frauen, Junioren
2011, Kloten-Zürich, Elite
2015, Zürich, U21, U18, U16

Dissidenten

Die SKF musste sich jahrelang gegen immer wieder kehrende Angriffe, Anschwärzungen, Verleumdungen, bei ihren Partnern, Kantonen, vor Gerichten zur Wehr setzen. Darunter das Portal «Swissbudo», « Swiss Martial Arts Union SMU», «Swiss Karate Confederation SKC», konkurrierende Kantonalverbände und andere «schweizerische» Verbände. Ihre Anführer kamen alle aus der SKF. Sie wollten jedoch kein Teil, keine Sektion sein, sondern an die Stelle der SKF treten.

Am 18. November 2018 scheitert der letzte Angriff gegen die SKF. Mit 404 Stimmen stimmt das Sportparlament Swiss Olympic gegen die Aufnahme der SKC, keine einzige Stimme dafür. Kurz darauf löst sich diese Organisation auf.

Die SKF, eine liberal offene Organisation, arbeitet seit Ende der 90iger Jahre, im Rahmen von Jugend+Sport, mit vielen «externen» Dojos vertrauensvoll zusammen.

Mit J+S werden heute rund die Hälfte der 5- bis 20-Jährigen in der Schweiz erreicht. Positiv, dass der Bundesrat den Gesamtkredit in den Jahren 2027 bis 2030 um rund 21 bis 26 Millionen Franken auf total 135 bis 142 Millionen Franken erhöhen will. Ihm sind die positiven Effekte von Sport und Bewegung für die ganze Gesellschaft bewusst.

GOATS
Die WKF warf die Frage auf, wer in den Ländern die «Goats» sind. Die heutige Generation wird ganz klar den Namen Elena Quirici (Foto) nennen. Einige auch Fanny Clavien, Diana Schwab, Jessica Cargill, Nina Radjenovic, Fehmi Mahalla und Kujtim Bajrami. In der Kata ganz klar Yuki Ujihara, Michelle Saner und Melinda Mark.

Die «grauen Panther» erinnern sich an Javier Gomez. Er war Weltmeister 1982, Vize-Weltmeister 1984. Somit als einziger SKF-Karateka zweimal in einem WM-Finale.

Das All-Time Ranking Dojos (Podestplätze WKF-EKF seit 1979) zeigt Karate Do Brugg (57) unangefochten als Nr. 1, gefolgt von Karaté-Club Valais (25) und Neuchâtel Karaté Do (23).

Karatekas mit Rang 1

Quirici Elena
World Games Champion
10x K1 Premier League
7x Europameisterin (4-Elite, 1x: U21, U18, Regionen)
4x Grand Winnerin WKF
2x K1 Series A

Gomez Javier, Foto
Weltmeister, Europameister U18

Clavien Fanny, Foto
4x Premier League
3x Europameistern

Radjenovic Nina
2x Europameisterin (1x: Team, U21)

Brüderlin Ramona
2x Europameisterin (1x: Team, Regionen)

Kornfeld Noémie
2x Europameisterin (1x: Team, Regionen)

1x Europameister
Marquez Juan, Mahalla Fehmi, Schwab Diana, Cargill Jessica

Carneiro Fabienne
1x K1 Series A

Sigillo Dominique
1x U18

Pjetraj Arben
2x K1 Youth League U16

1x K1 Youth League
U21: Boutracit Aicha
U18: Ujihara Yuki, Bosshard Lea, Schedel Nolan
U16: Voegelin Amélie, Zecca Lucas, Sanneh Fatumata
U14: Satzinger Tamara

Top-Ten WKF ALL Time Ranking Punkte
1-Quirici Elena, 42221, Foto


2-Schärer Maya, 13559, Foto


3-Ujihara Yuki, 12090, Foto


4-Radjenovic Nina, 11584, Foto

5-Carneiro Fabienne, 8903
6-Ouchene Ramona, 8071
7-Clavien Fanny, 7950
8-Minano Lanyfer, 7225
9-Duperrex Oksana, 6280
10-Pisino Noah, 6245

Ausblick
Jede Administration muss sich bewusst sein, dass die SKF, analog der Schweiz (1848, Gründung des Bundesstaates) eine klassische Willensorganisation ist. Foto: Kuppel Bundeshaus.

Sie ist nicht homogen durch einen gemeinsamen Stil (wie Judo) sondern durch den starken Willen einer Mehrheit von Dojoleitern, Karate in einem gemeinsamen, von Swiss Olympic und dem Staat anerkannten Verband, mitzutragen und mitzuverantworten. Die SKF ist immer noch geprägt durch diejenigen, und ihre direkten Nachfolgenden, welche diese SKF gegründet haben. Zeitzeugen, die immer weniger werden.

Die neue Generation Z und junge Millennials haben diese historische Bindung nicht mehr. Sie verbinden sich mehr in Projekten (anstelle von «lebenslangen» Mitgliedschaften), digitalen Formen und flexiblen «Zugehörigkeitsgefühlen».

Je grösser eine Dach-Organisation ist, desto schwieriger ist es eigene «übergeordnete» Identität zu definieren. Eigentlich gelingt dies nur über die Zeit der sportlichen Grossanlässe.

Die vergangene Eishockey-WM entfachte eine grossartige Schweizer Welle. 1.3 Mio. Menschen sahen das Finale (71.1% Marktanteil). Die Onlineangebote verzeichneten über 13 Mio. Visits und die Livestreams erzielten knapp 7 Millionen Starts. Nach der schmerzhaften Finalniederlage zeichnete ein Flugzeug der SWISS ein riesiges Herz in den Nachthimmel von Zürich. Mehr Nationalstolz geht nicht.

Zurzeit ist die SKF stabil. Dies bleibt, so lange sich Themenfelder wie Branchencode, Gleichstellung & Diversität, personelle Chargen, Breitensport und Finanzen (insbesondere der Betrag der Lizenzmarke) für alle Beteiligten im vertretbar-akzeptierten Rahmen halten. Wenn nicht, wird die Karate-Gesellschaft stark auseinanderdriften.

Der Philosoph Iso Camartin führt einst aus: «Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Schweiz, dass sie in ihrer Vielfältigkeit so lange bestehen konnte, weil ihre einzelnen Teile untereinander relativ wenig Kontakt hatten. Die Vielfalt war, überspitzt gesagt, möglich, weil alle einander in Ruhe liessen». Die Sektionen beweisen seit mehreren Jahrzehnten, dass sie das ganz gut können.

Die Bindung, das Vertrauen in das Heim-Dojo ist nach wie vor sehr hoch, hier entsteht Karate-Identität. Die Verbundenheit zum Konstrukt Sektion hoch bis mittel. Die SKF hingegen hat, insbesondere für die Breitensport ausübenden Karateka, eine geringere Bedeutung.

Integrität
Integrität ist die Basis jeder dauerhaften Beziehung, ob zwischen «SKF-Administration» und Zentralvorstand, Sektionen und Untersektionen oder zwischen Dojos und ihren Mitgliedern.

Geburtstag
Heute feiert der Dachverband SKF seinen 47. Geburtstag. Was die Karate-Szene morgen sein wird, hängt zu einem guten Teil davon ab, was wir heute tun, planen, denken und zukunfts-realistische Szenarien entwickeln. Entscheidend ist die «Substanz» der SKF, die grossen Dojos zu erhalten. Hier die Nachfolgeplanungen abzusichern.

Der Hauptfokus ist auf die Entwicklung der «Generationen» zu legen. Dazu zählen die «Millennials (1981-1996), «Z» (1997-2010), «Alpha» (2011-2024) und die kommende Generation «Beta» (ab 2025).

Persönlichkeiten dieser Generationen werden die Dojos, die Sektionen, die SKF in den nächsten Jahren technisch, sportlich und administrativ prägen. Was dieses Jubiläum besonders macht: Es fällt nicht in ein Zeitfenster «alles wie gewohnt». Die Welt befindet sich mitten in einer geopolitischen Transformationsphase, die unser Leben in allen Facetten durchdringt.

«Was wir heute tun, entscheidet darüber,
wie die Welt morgen aussieht»

Thomas Mann
(Nobelpreisträger Literatur)

Zukunft ist kein feststehendes Schicksal, sondern ein Feld von Möglichkeiten, das durch jede einzelne Entscheidung neu konfiguriert wird. Ziel muss es immer sein, vor allem in dieser Zeit, die Fähigkeit zu trainieren unter Unsicherheiten Handlungsfähigkeit zu bewahren.

Zukunft gelingt dann, wenn wir sie nicht anderen überlassen, sondern in die Komplexität eintauchen und aktiv in ihr navigieren.

Happy Birthday SKF!

Roland Zolliker
Mitbegründer 1979 / Zentralpräsident 1988-2022
Ehrenpräsident SKF